Frauen! STREIKT! Arbeitsniederlegung und noch viel MEHR!

Auf zum Frauenstreik am 8. März 2019 !

„Der internationale Frauenstreik bringt die Gewalt gegen Frauen auf die öffentliche und politische Agenda und fordert dabei Respekt für die Rechte der Frauen weltweit. Wir streiken und stoppen die Welt, um Gewalt und alle Formen der Ausbeutung abzuschaffen.
Wir streiken gegen die Grausamkeit, die unser Körper als Beute der Eroberung erfährt. Wir streiken für die Verteidigung unseres Lebens und unserer Autonomie.“
(International Women´s Strike, 8. März 2018, Argentinien)

Frauen! Es schlägt 13! Frauenstreik! Es ist an der Zeit, dass wir Frauen – Arbeiterinnen, Angestellte, Teilzeit-/prekär-/geringfügig-/informell Beschäftigte, Hausfrauen, Alleinerzieherinnen, erwerbslose Frauen, wohnungslose Frauen, Frauen mit „Mindestsicherung“, Lehrlinge/Frauen in Ausbildung, Schülerinnen, Studentinnen, Frauen in Heimen und Gefängnissen, Pensionistinnen, Migrantinnen, geflüchtete Frauen, Frauen mit Behinderungen, Lesben, Frauenorganisationen, …  uns zusammentun, um zu der derzeitigen reGIERung und deren Beschlüssen und Vorhaben NEIN zu sagen.
Frau mach´ mit! Dein Widerstand ist wichtig!
Lasst uns am 8. März – Internationaler Frauenkampftag – untertags streiken und Aktionen setzen und am Abend gemeinsam demonstrieren!
Wir sind kreativ! Was können wir gemeinsam tun? Was kann jede Einzelne streikend an diesem Tag einfach auch einmal nicht machen?

Wir möchten euch unsere Überlegungen zum Frauenstreik aufzeigen, und wir freuen uns über Anregungen zur Erweiterung der Streikmöglichkeiten, denn der FrauenStreik ist vielfältig!

Lohnarbeitsstreik
Wir haben ein Streikrecht! (siehe unten im Text „Arbeitsrechtliche Situation“ + „Streiktraining“). Wir wissen: je prekärer die Arbeitsverhältnisse sind, desto schwieriger erscheint die Möglichkeit für jede einzelne, sich zum Streiken zu entschließen. Um zu streiken, braucht es Gespräche und Austausch mit Kolleginnen am Arbeitsplatz. Die Vorbereitung auf einen Streik und der Streik selbst sind gute Möglichkeiten, sich mit Kolleginnen am Arbeitsplatz über bestehende Ungerechtigkeiten und die Unzufriedenheit auszutauschen und gemeinsamen Widerstand zu entwickeln. Für viele Frauen ist aufgrund zu leistender unbezahlter VerSorgearbeiten ein Streik in der Arbeitszeit oft die einzige Möglichkeit, sich in einem organisierten Rahmen politisch zu betätigen.
   „Wir rufen auf, die Arbeit konkret niederzulegen, weil wir den Streik in Form von Arbeitsniederlegung nicht nur als Mittel zur Veränderung ökonomischer Bedingungen sehen, sondern als ein Werkzeug, um die Lebensverhältnisse von Frauen grundlegend zu verändern.“ (Movimento feminista proletaria revolutionaria, 25.11.2013, Italien)

• Konkrete Arbeitsniederlegung – als gesamte Belegschaft oder einem Teil davon
* Mobilisiere Kolleginnen, tut Euch zusammen!
* Den ganzen Tag – wenn Frau es will, steht alles still!
• Oder um 11:00 Uhr 15 Minuten lang mit jeglicher Tätigkeit aufhören, mit Trillerpfeife oder sonstigem Lärmgerät darauf hinweisen oder „Frauenstreik heißt Frauen streikt!“ rufen
• Krankenschwestern in Finnland drohten bei einem Arbeitskampf mit kollektiven Kündigungen
• Textilarbeiterinnen in Asien nähten als Protest und Sabotage Aufnäher mit ihren Stundenlohn in die Kleidung
* Sind gemeinsame Krankenstände denkbar … ?
* Gemeinsame Urlaubstage, gemeinsamer Zeitausgleich, …
• Bummelstreik: Dienst nach Vorschrift, längere Toilettenpause, langsames Gehen, langsames Suchen, …
• Betriebsrätinnen, Syndikalistinnen, Gewerkschafterinnen informieren Mitarbeiterinnen im Betrieb und Kolleginnen in den eigenen politischen Strukturen
• Betriebsversammlungen für Frauen, um Arbeitsbedingungen, Lohnunterschiede, Sexismus, Rassismus, Diskriminierung am Arbeitsplatz aufzuzeigen, zu diskutieren, Solidaritätsaktionen zu organisieren, …
• Kleidungsvorschriften verweigern (z.B. keine Einheitsuniform, keine Schminke, keine Stöckelschuhe usw. – stattdessen lila Kleidung und Streik-Shirts / -Sticker tragen („Stell Dir vor, ich streike heute!“ und „Auf zum Frauenstreik!“)
• Kein Kaffee für den Chef – wir gehen ins Café!, keine Blumen für den Chef – wenn dann lila Blumen für Dich selbst!, keine privaten Aufträge vom Chef entgegennehmen.
• Pornobilder und andere sexistische Bilder von Arbeitsplätzen entfernen.
• Keine Duldung von sexistischen und rassistischen Witzen – stattdessen widersprechen, lila Streikkarte zeigen u.ä.

VerSorgestreik
Uns ist bewusst, dass ein Bestreiken der VerSorgearbeit im bezahlten und unbezahlten Bereich, die zum überwiegenden Teil dort und da von Frauen geleistet wird, nicht einfach zu lösen ist, aber lasst uns den Frauenstreik zum Anlass nehmen, darüber zu reflektieren, wie unmöglich Erscheinendes realisiert werden kann und wessen Unterstützung dabei gefragt ist.
Um zu streiken:
• braucht es einen „Notdienst“ (in der bezahlten Arbeit ist die Leitung für die Einrichtung eines Notdienstes verantwortlich)
* braucht es die Solidarität der zu versorgenden oder pflegenden Personen
* Die Notbetreuung der VerSorgearbeit sollen Männer übernehmen.
* Väter gehen mit Kindern zur Arbeit – Mütter streiken.
* Väter nehmen Pflegeurlaub – Mütter streiken.
• Männliche Bekannte, Nachbarn, Verwandte, Partner übernehmen
• Versorgung von Kindern, älteren und kranken Personen – Frauen, Ehefrauen, Töchter, Schwiegertöchter, Partnerinnen, Mütter, Omas streiken.
• Spitalsdienste übernehmen männliche Kollegen – Krankenschwestern, Stationsschwestern, Ärztinnen, Pflegeassistentinnen, Ambulanz-Mitarbeiterinnen, Köchinnen, Reinigungsangestellte streiken.
• Frauenberatungsstellen richten einen Notdienst von z.B. maximal 2 Mitarbeiterinnen ein; persönliche Beratung am Streiktag nur im Krisenfall.
• Dienste in Pflegeinrichtungen übernehmen männliche Kollegen – Pflegeschwestern, Betreuerinnen, Krankenschwestern, Reinigungsangestellte, Köchinnen streiken.
• Streik-Küchen und Streik-Kindergarten – organisieren und betreuen solidarische Männer verschiedener NGO’s und politischer Gruppen
• Sichtbarkeit statt Vereinzelung: Lila Tuch für den Streik von zuhause aus dem Fenster hängen.
Ehrenamtliche Arbeit bestreiken!

Bäurinnenstreik
• Arbeitskleidung und -werkzeuge oder Utensilien wie ungewaschene Wäsche etc. als Gruppe im „Öffentlichen Raum“ niederlegen (wortwörtlich auf die Straße legen).
• „Nicht-Verkaufs-Stände“ im öffentlichen Raum, bei denen man nichts kaufen kann.
• Streik-Unterstützung von Frauen, die daheim bleiben: Arbeitskleidung -/oder Werkzeug mit lila Tuch vor dem Hof aufstellen!

Hausfrauenstreik
• Der Kochtopf bleibt leer; statt kochen, putzen, Wäsche waschen usw. Freundinnen, Nachbarinnen treffen, im Bett bleiben, sich bei Aktionen und Demos beteiligen
Streik in der Beziehungsarbeit

Sexstreik
* zu Hause und auf der Straße

Konsumstreik
Wir sind Produzentinnen und Arbeiterinnen und keine „Konsum-Enten“ – daher wollen wir auch die ganze Bäckerei in kollektiver Selbstverwaltung und nicht nur die Brösel vom Kuchen!
Darum:
• Supermärkte boykottieren – stattdessen auf Märkten, in Food-Coop`s und regionalen (Bio)Läden Essen besorgen.
• Nicht via Internet einkaufen – Konzerne boykottieren
• Tauschen, Reparieren – statt immer was Neues kaufen und dem Mode- Diktat folgen
• Und: Gemeinsames Einkaufen kann Chaos verursachen…

Schülerinnen- und Studentinnenstreik
* Prüfungsstreik
• Statt Unterricht und Lehre – Aktionen auf der Straße; feministische Ausstellungen oder Orte der Frauenbewegung besuchen;
• Versammlungen einberufen um kritische Auseinandersetzungen zu Lehrinhalten, Sexismus, Rassismus zu diskutieren.
• Um 11:00 Uhr „Frauenstreik heißt Frauen, streikt!“ rufen und Hörsaal / Klassenzimmer verlassen

Mietstreik
• Gegen Betriebskostenerhöhung und Lage-Kostenzuschuss
• Für leistbare Wohnungen für alle! Die Häuser denen, die drin wohnen!

Solidarische Streikaktionen
• Beim Frauenstreik 1991 in der Schweiz solidarisierten sich Mitarbeiterinnen eines Frauenhauses mit Verkäuferinnen und Kassiererinnen, denen verboten wurde, während der Arbeitszeit zu sitzen, und veranstalteten eine Kundgebung im Supermarkt.
• Verkäuferinnen, Kassiererinnen, Kellnerinnen, Bus-Fahrerinnen, Physiotherapeutinnen, Lehrerinnen, Friseurinnen, Elektrikerinnen, Krankenpflegerinnen, Rauchfangkehrerinnen, Ärztinnen, Kindergärtnerinnen, KFZ-Mechanikerinnen, Installateurinnen, Gärtnerinnen, … können lila Frauenstreik-T-Shirts oder -Sticker tragen („Stell Dir vor, ich streike heute!“ und „Auf zum Frauenstreik!“) und Mädchen, Frauen zum Frauenstreik und zum Internationalen Frauentag ansprechen
• in Radio- und Fernsehsendungen wird vom Frauenstreik berichtet
• Freifahrt in allen Öffis und Taxis
• Lila Fahnen auf Straßenbahnen hängen
Gemeinsame Aktionen am Streiktag:
• Betriebsversammlungen, Schülerinnen- und Studentinnen-versammlungen
* Nachbarinnentreffen zuhause, im Park, am Platz
* Straßentheater
* Frauenpatrouille gegen Sexismus
* Sexistische Werbung lila überpinseln
• Kollektive öffentliche Präsenz von Frauen an öffentlichen Orten und in den Straßen
* Frauenstreiktransparente auf Gebäude und von Brücken hängen
• gemeinsames Singen von feministischen- und Arbeiterinnenliedern in Öffis
• beim großen Frauenstreik im März 2018 in Spanien wurden auch Straßen und öffentliche Verkehrsmittel blockiert …
Streiksymbole:
• Lila T-Shirt oder lila Sticker tragen: „Stell Dir vor, ich streike heute!“ und „Auf zum Frauenstreik!“
* Lila Streiktücher, lila Kleidungsstücke tragen
• Lila Tücher aus dem Fenster hängen, als Fahnen oder auf Tasche Rucksack befestigen

Halten wir uns gegenseitig über unsere Streikaktionen auf dem Laufenden!
* Streik- und Aktionsfotos über facebook: Frauenstreik oder auf die
Mailadresse: frauenstreik@riseup.net senden – wir erweitern dann unseren
Blog: frauenstreikt.noblogs.org (ist jetzt auch schon aktiv, schaut vorbei!)
* Berichtet von Streikaktionen auf der FrauenLesbenMigrantinnenDemo!
Arbeitsrechtliche Informationen:

Streik und Recht
Innerhalb des Österreichischen Rechts gibt es gar keine Bezugnahme auf Streiks. Allerdings gibt es internationale Verträge (UNO Pakt I, EMRK, Charta der Grundrechte der EU, ILO-Konvention), die auch von Österreich ratifiziert wurden, teilweise in Verfassungsrang stehen und Streik als Arbeitskampfmittel erlauben.

Daraus folgt, dass:
Die Teilnahme an einem Streik kein Kündigungsgrund sein darf (was aber trotzdem immer wieder erkämpft werden muss!).
Für die Zeit des Streikens kein Entgeltanspruch (Lohn, Gehalt) besteht.
Streiks ohne Unterstützung des Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB), so genannte „Wilde Streiks“, sind in Österreich ebenfalls legal. Es bedarf also keiner „Streikfreigabe“ (inklusive Vorgabe der Tage und Dauer des Streiks) durch den ÖGB oder anderer Gewerkschaften. Eine Streikfreigabe durch den ÖGB bedeutet nur, dass Mitfrauen Geld aus dem Streikfonds und rechtliche Unterstützung bekommen. Auch das Vorhandensein eines Betriebsrats ist keine Voraussetzung für einen Streik. Ein Streikbeschluss findet durch die Belegschaft statt. Das Streikkomitee braucht keine Streikleitung – das ist ein rechtlich nicht existenter Terminus.

Betriebsversammlung
Können vom Betriebsrat / von der Betriebsrätin einberufen werden. Jede hat das Recht, während der Arbeitszeit an einer Betriebsversammlung teilzunehmen. Das Recht auf eine Entgeltfortzahlung besteht für diese Zeit nicht. Gibt es keinen Betriebsrat / keine Betriebsrätin, kann die älteste Mitarbeiterin im Betrieb eine Betriebsversammlung einberufen oder auch eine Arbeitnehmerinnen-Vertretung (z.B. AK). Die Betriebsversammlung muss nicht im Betrieb, sondern kann auch auf der Straße (Kundgebung oder Demo) oder einem öffentlichen Ort stattfinden. Das FZ Wien kann als öffentlicher Frauenort für Betriebsversammlungen genutzt werden.

Streiktraining / Streikschulung
Am 11. Februar 2019 um 18:30 Uhr gibt es in der FZ-Bar die Möglichkeit, sich bei einer Betriebsrätin und einer Syndikalistin über Streikrechte zu informieren und sich beraten zu lassen und auch sich unter Streik-Kolleginnen gemeinsam zu besprechen und zu bestärken.

Am Abend des 8. März 2019
* Gemeinsame FrauenMigratinnenLesbenDemo
* Mit Berichten von Streikaktionen, Redebeiträgen, Performances
• Gemütlicher Ausklang bei Drink und Tanz in der Bar des FrauenLesbenMigrantinnen-Zentrums (Währinger Straße 59, Eingang Prechtlgasse, bei schwarz-roter Türe läuten. FÜR FRAUEN!)

Das Streikkomittee FZ-Wien